Donnerstag, 9. November 2017

Ding und Ware / Thing and Product


english below!
(ein Nachtrag zum letzten post)
Die Überschwemmung mit dem Tsunami an Dingen, der wir im Kapitalismus ständig ausgesetzt sind, macht einen echten Bezug zu diesen Dingen sehr schwer. Sie tauchen nur noch in ihrer Funktion als Waren auf. 
(Rilke hat den Verlust des einstmals engen Beziehungsgeflechts zwischen Mensch und Dingen eindringlich gespürt und zu einem großen Thema seiner Lyrik gemacht , z.B. in den Dinggedichten.)

Im Vergleich zu früheren Epochen werden viele Dinge unseres Alltagslebens heute in kürzester Zeit gegen neue ausgetauscht. (Das Neue - wie wir durch Scheler wissen - ist eines der infantilen Ideale des kapitalistischen Denkens!) Wir wechseln unsere Kleidung, Smartphones, Computer und sogar unsere Wohnungseinrichtungen in einem Tempo, das uns selbst atemlos zurücklässt. Damit erfüllen wir brav unsere Aufgabe als Konsumenten, in dem wir das Credo des Wachstums, koste es was es wolle, im Spiel halten.

Auf den ersten Blick könnte es scheinen als sei die simplify-your-life-Welle, die zur Entrümpelung des Lebensumfeldes aufruft, eine Gegenbewegung gegen die Flut der Dinge als Ware, die uns wegzuschwemmen droht. Doch liegt der Verdacht nahe, dass damit eigentlich der kapitalistische Geist unterstützt wird. Und zwar in zweierlei Hinsicht. Zum einen hat der Kapitalismus gar kein Interesse am Horten von Dingen, weil er die alten Dinge so schnell wie möglich durch neue ersetzt sehen will. 

Außerdem befördert die Idee des entrümpelten Lebens das kapitalistische Ideal eines Menschen, der keinen Ballast mit sich schleppt, der ihn abhalten könnte, so flexibel wie möglich im kapitalistischen Spiel eingesetzt zu werden. Dinge, an denen man hängt, machen den Menschen träge.
Zuguterletzt kann die Entrümpelung des Lebens dazu führen, überhaupt keinen Gegenstand im Leben mehr zu besitzen, zu dem man eine echte Beziehung aufbauen könnte, denn dazu braucht es vor allem Zeit! (Ja, ich weiß: Die Entrümpelung führt im besten Fall dazu, dass mir die Dinge, die mir am Herzen liegen könnten, überhaupt erst auffallen.)

Künstlerinnen und Künstlern dagegen bleibt gar nichts anderes übrig, als eine starke Beziehung zu den Dingen aufzubauen, mit denen sie hantieren oder die sie kreieren. Im künstlerischen Kontext (besonders in der Bildenden Kunst, der Performance Art und im Theater) ist kein Ding eine Ware, sondern etwas, zu dem ich mich als Künstler  - und dann auch als Betrachter -  ins Verhältnis setzen muss.
Mit dem Festhalten an der Idee der bedeutungs- und wirkungsgeladenen Dinghaftigkeit verteidigen Künstler einen Wert, der im Kapitalismus zugunsten des bloßen Warencharakters der Dinge zu verschwinden droht. 


The flood of things that we have to face permanently in capitalism, makes it difficult to have a real relation to these things. They appear only as products or articles.
(Rilke has felt this loss of relation between thing and men very strongly and made it to a mein issue of this poetry.) 
Compared with earlier epochs today things of our daily lives are replaced for new ones very  fast. (The new - as we know from Scheler: one of the infantile ideals of capitalism!) We change our clothing, smartphones, computers and even our furnishings in a speed that leaves us breathless. With that we fulfill our duty as consumers supporting the capitalistic credo of permanent growth.

One could think that the simplify-your-life-movement that wants to support a clearing out of the environment of our lives is a counter movement against this flood of products that threatens us to be washed ashore. But maybe even this movement supports the capitalistic logic in two ways: First capitalism is not interested in collecting too much things because it is much better to replace them soon through new stuff. Second the idea of a cleared out life promotes the capitalistic ideal of a human being that doesn´t carry any ballast that would keep him/her from being felxible enough to continue the race inside capitalism. Things one is clinging to makes people lazy.

Finally the clearing out of one´s life can lead to a situation in which you don´t possess any things you could build up a deep relation to! (Well I know, having less things might also lead to the chance to see the things that could be important to me at all!)
Artist in any case have to build a strong relationship to the things they work with or they create. In the context of art (fine arts, performance art, theatre) a thing cannot be a mere product or article but something I - as an artist, and as an observer - have to put myself in a relation to. Staying strong with this idea of understanding things as been connected with meaning and effects on us, artists defend a value that threatens to disappear in capitalism in favor of seeing things just as products and material that can be replaced at any time.

Samstag, 4. November 2017

Kapitalismus und das Grundgesetz/capitalism and constitution


english below in green 
Bei der Lektüre eines Buches des unfassbar jungen Philosophen Markus Gabriel (Ich ist nicht Gehirn, Berlin 2015) ist mir eine wichtige inhaltliche Brücke zwischen den beiden Feldern aufgegangen, mit denen ich mich seit einiger Zeit intensiv beschäftige: dem Kapitalismus als Lebensform und dem Grundgesetz.

In der Auseinandersetzung mit Artikel 1 des GG („Die Würde des Menschen ist unantastbar. (...)“) bemerkt Gabriel, das der Satz auch ganz buchstäblich verstanden werden kann. Man kann die Menschenwürde nicht antasten, weil sie kein Ding ist. Die Würde erwächst aus bestimmten Bedingungen, die zum Menschsein dazugehören. Die heute in der Philosophie weitgehend dominierende Haltung des Materialismus behauptet aber, dass man alle weltlichen Phänomene auf Dinge oder Dinghaftes zurückführen kann. Dagegen argumentiert Gabriel vehement und wie ich finde mit gutem Recht.

Dabei zitiert er Kant, der die Unterscheidung zwischen Preis und Wert bzw. Würde eingeführt hat. Kurz gesagt hat für Kant alles, was Würde besitzen kann, keinen „Marktpreis“, weil es nicht als Mittel für einen anderen Zweck verwendet werden kann. Die Würde ist Zweck an sich. (Kant, Metaphysik der Sitten)

Was im Materialismus Ding genannt wird, ist im Kapitalismus die Ware. Wie wir bei Scheler schon gesehen haben (vgl. meinen Vortrag!), ist ein Grundmerkmal des kapitalistischen Geistes der Warencharakter aller Dinge. Heute ist die Verwandlung aller Lebensaspekte zur Ware sehr weit fortgeschritten. Fast alles kann zur Ware degradiert und im kapitalistischen Karussell zu Geld gemacht werden. Um aber zur Ware zu werden, muss etwas zuerst ein Ding sein. Die Wissenschaften bzw. der philosophische Materialismus tragen zur Entwertung der Welt bei und flankieren so die Entzauberung dieser Welt und die Verdinglichung aller Phänomene, die in ihr auffindbar sind.
Die Menschenwürde aber ist keine Ware. Implizit erkennt Kant bereits, dass sich bestimmte Werte und die Menschenwürde gegen eine Vereinnahmung durch die kapitalistische Logik wehren. Die Würde des Menschen hochzuhalten als unantastbares und unverkäufliches Recht bedeutet demnach auch, sich vom kapitalistischen Geist zu distanzieren. Oder umgekehrt: Die Distanzierung vom Geist des Kapitalismus als alle Lebensform beherrschen wollender Ethos macht uns zu Verteidigern des Artikel 1 des Grundgesetzes.


Das ist ein quasi künstlerischer Akt, zumindest wenn man – wie ich – davon ausgeht, dass die innere Distanzierung vom Geist des Kapitalismus überhaupt erst den Raum für künstlerisches Agieren eröffnet. Das jedenfalls war ein Ergebnis meiner Auseinandersetzung mit den Gedanken von Max Scheler (die man hier im Blog unter anderem in den Vortragsvideos findet).

Reading a book of the very young german philosopher Markus Gabriel, I noticed a link between two subjects I am workking on since quite a while: the spirit of capitalism and the german constitution.

Quoting the art. 1 of the constitution that in german says „The dignity of men is not to be touched (=unvaluable)“ Gabriel mentions that this is true in a very basic sense. You can´t touch dignity because it is not a thing. Dignity emerges out of a set of conditions that belong to humanity. The today very dominant philosophical idea of materialism claims that all worldly phenomenons can be reduced to things, i.e. a material based fundament. Gabriel argues with good reasons against this view.
He quotes Kant and his distinction between price (or costs) and value. Kant claims that everything that has dignity cannot have a price (on a market) because it can´t be used as a means for another purpose. Dignity is a purpose in itself.
What materialism calls thing is called product in capitalism. In capitalism everything has the quality of being a product that can be sold and bought. Today the transformation of nearly all aspects of life is developped very far. Nearly everything can be transformed into a product and can be involved into the circus of money making. But what should become a product has to be a thing first. Science helps to make the world to a thing and to get rid of values.

Dignity is not a product. Kant implicitly sees here already that certain values and dignity of men try to resist against the dominance of capitalistic logic. To defend the dignity of men as a right that can´t be sold means also to keep the distance to capitalistic thinking. Or: Keeping the distance to the logic of capitalism as the ethos that dominates our form of life means defending article 1 of the german constitution.

This is an somewhat artistic action, at least if you think (as I do) that the space for artistic activity opens up only through the search for an inner distance to capitalistic logic. This was one of the results of my work with the ideas of Max Scheler (that you can find here in this blog and on my video lectures (partly in english).


Donnerstag, 15. Juni 2017

Wirtschaftswissenschaft und Kapitalismus/ Economy and Capitalism

Wer schon immer etwas mehr über die großen Denker der Wirtschaftswissenschaften wissen wollte, dem kann ich das neue Buch von Ulrike Herrmann empfehlen. Hinter dem missverständlichen und nicht sehr gut gewähltem Titel "Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung" verbirgt sich eine sehr gut geschriebene, kurze und anregende Einführung in das Leben und Denken von Adam Smith, Karl Marx und John Maynard Keynes, den drei wohl wichtigsten ökonomischen Denkern des Kapitalismus. Und, das ist vielleicht besonders interessant: eine sehr fundierte Abrechnung mit Milton Friedman und dem neoklassischen bzw. neoliberalen Ansatz, der uns in die Misere, in der die Welt nicht nur wirtschaftlich seit 2008 hängt, eingebrockt hat. 
Das Buch ersetzt eine ganze Reihe von Proseminaren der Volkswirtschaft und dabei ist besonders erschütternd, dass diese Themen im normalen Wirtschaftsstudium offenbar überhaupt nicht vorkommen! 
Ich habe mit der Lektüre viel gelernt. Zugleich ist mir nochmal klar geworden, wie sehr unsere Überlegungen zum Geist des Kapitalismus viel grundlegender ansetzen. Die Frage Keynes oder Friedman ist zwar für die momentane Situation von kaum zu überschätzender Relevanz, aber die Verheerungen, die das kapitalistische Denken, das sich wie ein Virus in unsere Köpfe und Herzen gesetzt hat, anrichtet, sind damit noch gar nicht als Problem erkannt. 
Den Künstlern im Kapitalismus kann es nicht schaden, ein paar ökonomische Grundbegriffe zu kennen, aber die entscheidenden Fragen über den Einfluss des Kapitalismus (als Ethos) für meine Kunst, stellen sich woanders. 
Das Buch ist übrigens bei der Bundeszentrale für politische Bildung erschienen und für kleines Geld dort erhältlich: http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/248516/kein-kapitalismus-ist-auch-keine-loesung 


english:

This is a recommendation for a german book about some thinkers of economics that are worth to read again: Adam Smith, Karl Marx and J.M. Keynes.  
I learned a lot reading this book. At the same time, I have realized once again how much our thoughts on the spirit of capitalism are much more fundamental. The question of Keynes or Friedman is indeed of huge relevance to the current situation, but the devastations through capitalist thinking, which has set itself as a virus in our heads and hearts, are not yet recognized as a problem here.
artists in capitalism may benefit from knowing a few basic economic concepts, but the crucial questions about the influence of capitalism (as an ethos) for my art are elsewhere.

Mittwoch, 1. März 2017

Vorträge auf Video/lectures on video

english below:

Hier finden sich die Links zu den Vorträgen, die Agnes Pollner und ich beim zweiten Kolloquium "Künstler sein im Kapitalismus", das am 18.Februar in Köln stattgefunden hat, gehalten haben. Zusätzlich gibt es noch ein Video mit meinen einführenden Worten. Viel Freude beim Anschauen! Ich freue mich auf Kommentare und Feedback!


1: Einführende Worte

https://vimeo.com/205008167

Darin versuche ich unser Thema nochmal einzukreisen, gebe ein paar Kommentare zu Donald Trump und der Entwicklung des Kapitalismus von mir und mache eine philosophische Unterscheidung zwischen der Strategie, die Welt und mich besser zu verstehen und mich und Welt besser machen zu wollen.

 

2: Agnes Pollner: Künstlerin auf rutschenden Abhängen, 

oder: Im Kapitalismus darf man sich keine Pausen gönnen. Hartmut Rosas Thesen zu Beschleunigung und Resonanz

https://vimeo.com/205247972

Agnes Pollner gibt einen Einblick in die Gedanken des Soziologen Hartmut Rosa und fragt, inwiefern sie für die Selbstpositionierung von Künstlern hilfreich sein können.

 

3: Ralf Peters: sei einsam-verbinde dich! Künstler sein zwischen Individualität und Kooperation

https://vimeo.com/206208165

Ich frage, welche Formen des Zusammenlebens für KünstlerInnen unterstützend sein können und welche eher nicht, wobei ich mich zu Beginn wieder an der eher fragwürdigen Unterscheidung von Gesellschaft und Gemeinschaft orientiere. Dann stelle ich das Konzept der Gabe vor und überlege, ob es für unsere Fragestellung hilfreich sein kann und zum Schluss diskutiere ich ein paar Gedanken, die in der momentanen postkapitalistischen Debatte auftauchen und stelle dann meine Schlussthese vor: sei einsam - verbinde dich!

 
english:
Here are the links to the lectures held by Agnes Pollner and me at the second colloquium "Artists in Capitalism", held on 18 February 2017 in Cologne. In addition, there is a video with my introductory words. Enjoy the view! I look forward to comments and feedback! But unfortunately these lectures are in german....


1: Introductory words


https://vimeo.com/205008167




In this, I try again to encircle our theme, give a few comments on Donald Trump and the development of capitalism, and make a philosophical distinction between the strategy of better understanding the world and myself and making myself and the world better.


2: Agnes Pollner: Artist on slippery slopes,

Or: In capitalism one can not afford to take breaks. Hartmut Rosas Theses on acceleration and resonance


https://vimeo.com/205247972

Agnes Pollner gives an insight into the thoughts of the sociologist Hartmut Rosa and asks how they can be helpful for the self-positioning of artists.


3: Ralf Peters: be lonely - connect!  

Artists between individuality and cooperation

 https://vimeo.com/206208165

I ask what forms of coexistence can be supportive for artists, and which ones do not tend to be. In the beginning I re-orientate myself to Scheler´s rather dubious distinction between society and community. Then I introduce the concept of gift and consider whether it can be helpful to our question, and finally I discuss a few thoughts that appear in the current post-capitalist debate and then I introduce my conclusion: be lonely - connect yourself!

Montag, 23. Januar 2017

Mark Fisher and the disappearance of the "new" in capitalism/depression/ Scheler and Seneca


The british author Mark Fisher, who died a couple of days ago, was obviously one of the most interesting writers about our society and the diseases that are linked to it. He himself suffered from depression and wrote about his fight with it in a book called “Ghosts of my life”.

He argues that depression and other soul problems are not merely personal problems but strongly linked to the situation in which we live, that is the capitalist society. 


In one of his other books „Capitalist Realism“ he discusses the idea of the „new“ that is so important for capitalism in a way that supplements our thoughts which were related to Max Scheler.

Fisher argues that despite all the idealizations of „innovation“ the idea of something new has vanished from our world and even worse: from our imagination. We are not able to see a new future in the sense of something that has overcome capitalism.

Fisher says (with Slavoj Zizek): Nowadays it is easier to imagine the end of the world than the end of capitalism.

This is a good and important point. Innovation goes just as far as to the new „generation“ of smartphones and maybe selfdriving cars. But looking for something new in a deeper sense, a more human society, a life that is guided by something that makes sense, is a very difficult thing to do for us.

For our question of the artist in capitalism, I think that the artists are the ones who still have some relicts of this ability to think (and act) differently. And this is why we need this inner distance from the spirit of capitalism that we are looking for on this blog!



Mark Fisher won´t be able to help us any longer. He lost his fight against his depression and his „ghosts“. Depression is a disease that quite a lot of artist know somehow.  If you look from outside, becoming depressed seems like an adequate reaction of the situation of the world as it is in these days. Artists, being sensitive creatures, are predestined to show this kind of reactions.

When you start to recognize this interdependence of society and soul you might start to see that your illness is not just “your fault”, but something not just personal. And this might help you to relax a bit and get rid of a part of the burden you take on.

One of the traps of capitalist thinking is that we believe in the idea of self optimization. We believe that we have to become better and then problems will be solved. (even a big danger for the voice work…) This is of course an illusion. Seneca is one of those who can tell us that we better accept that we won´t become perfect and that we - instead of trying to change ourselves - better start to change the way we see ourselves and the world.

Then we might find ways to transform the energy that led us into depression etc. to something healthier and more encouraging.


This issue and others you are invited to discuss with us at the next colloquium about "being artist in capitalism" in Cologne at the 18th Feb. Details in the previous post.

Sonntag, 22. Januar 2017

Trump: the ideal capitalist?/der ideale Kapitalist?


english below

Trump, der ideale Kapitalist (?)



Mit der Wahl Donald Trumps ist vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte ein Mann Präsident der USA, den nur noch kapitalistische Motive bewegen - wenn man darunter das versteht, was wir hier mit Scheler den Geist des Kapitalismus nennen.

Alle Vorstellungen und Werte, die dem Gemeinwohl nutzen könnten, gegenseitiger Respekt oder Solidarität werden in seinem Denken offenbar fast vollständig marginalisiert bzw. bestenfalls für die wirtschaftlichen Ziele, die er erreichen will, funktionalisiert. Trump orientiert sich ganz klar an den vier infantilen idealen des Kapitalismus: Das Neue, das Schnelle, das Große, das Mächtige. Er will in jeder Hinsicht, die ihm in seinem kapitalistischen Denken in den Sinn kommen kann, der Mächtigste und Größte sein.

Trump ist der kapitalistische Egoist par excellence und wir werden wohl erfahren müssen, in welche Richtung sich eine Welt entwickelt, in der der immer noch mächtigste Staat alle nichtkapitalistischen Werte über den Haufen wirft.  Dazu wird die Demokratie zu einer Despotie umgebaut, in der die Interessen eines einzelnen als die Interessen eines Volkes ausgegeben werden (eine Strategie, die auch an anderen Stellen der Welt gerade ausprobiert wird: Türkei, Russland, Ungarn, selbst Syrien).

Für den Widerstand gegen diese Entwicklung scheint es mir wichtig zu sein zu erkennen, dass mit der Präsidentschaft Trumps der Siegeszug des ungebremsten Kapitalismus eine neue Ebene erreicht hat, auf der der destruktive Charakter der kapitalistischen Ideologie auf eine Weise durchschlägt, die „kein Mensch“ wollen kann. Es stimmt also nicht, wenn man sagt, Trump sei kein Ideologe, weil er seine Meinung dauernd wechselt und sich selbst widerspricht. Das ist Teil der kapitalistischen Ideologie, die er verkörpert.

Was bedeutet das für die Künstler im Kapitalismus?

Trump ist ein Phänomen in der Welt, Teil des  großen Zusammenhanges und nicht etwa eine dämonische Erscheinung, die aus dem Nichts entstanden ist. Als Künstler können wir den Geist des Kapitalismus an ihm studieren und sehr genau erkennen, wovon wir uns verabschieden und distanzieren wollen. Aber Vorsicht! Dämonisierung allein ist nur eine Projektion der eigenen „kapitalistischen“ Anteile. Diese Anteile sollen aber nicht abgespaltet, sondern umgewandelt oder – gut psychoanalytisch – sublimiert werden. Nur dann wird sich uns vielleicht die Alternative zu dem kapitalistischen System, das zur Zeit unbesiegbar scheint, eröffnen. 

Diese und andere Aspekte können wir gemeinsam diskutieren beim nächsten Kolloquium zum "Künstler sein im Kapitalismus" am 18. Februar in Köln. Details dazu im vorhergehenden Post!





Trump, the ideal capitalist (?)

With the election of Donald Trumps, perhaps for the first time in history, a man is president of the US, who is only moved by capitalist motives – in the sense of what we call with Scheler the “spirit of capitalism”.
All ideas and values ​​that could be used for the common good, mutual respect or solidarity are apparently almost completely marginalized in his thinking, or at best functionalized for the economic goals he wants to achieve. Trump is clearly oriented on the four infantile ideals of capitalism: the new, the fast, the great, the powerful. He wants to be the most powerful and great in all respects, which he is able to conceive in his capitalistic mind.


Trump is the capitalist egoist par excellence, and we will find out in the near future the direction in which a world develops whose still most powerful nation, the US, gives away all non-capitalist values. For this aim, democracy is going to be transformed into a despotism in which the interests of an individual are expressed as the interests of a people (a strategy which is also being exercised elsewhere in the world: Turkey, Russia, Hungary, even Syria).
For the political duty of resistance against this development, it seems to me to be important to recognize that with Trumps presidency, the triumph of unbridled capitalism has reached a new level in which the destructive character of capitalist ideology has overtaken in a way that "no human being" could want or like. It is not true, then, to say that Trump is not an ideologist because he constantly changes his mind and contradicts himself. This is just part of the capitalist ideology that he embodies.
What does this mean for artists in capitalism?
Trump is a phenomenon in the world, part of the great context and not a demonic phenomenon that has emerged from nothing. As an artist, we can study the spirit of capitalism through him and see very clearly what we want to give up and detach from. But we have to be careful! Demonization alone is only a projection of ones own "capitalist" parts. However, these parts should not be split off, but be converted or sublimated. Only then an alternative to the capitalist system, which at the moment seem invincible, might show up to us.

This issue and others you are invited to discuss with us at the next colloquium about "being artist in capitalism" in Cologne at the 18th Feb. Details in the previous post.

Donnerstag, 12. Januar 2017

das zweite Kolloquium/ the second colloquium

english below

am Samstag, 18. Februar findet das zweite Kolloquium zum Thema "Künstler sein im Kapitalismus" statt, wieder durchgeführt von stimmfeld e.V. und dem Salon K der Freihandelszone. Infos dazu unten! Diesmal mit Vorträgen der Künstlerin Agnes Pollner zum Begriff der Resonanz und einem Vortrag von mir zum Feld zwischen Individualität und Kooperation. Außerdem wird Georgia Hüls wieder systemische Aufstellungen für die teilnehmenden Künstler anbieten! 
Wir freuen uns auf einen starken Tag!

Saturday, 18th of Feb. the second colloquium about "being artist in capitalism" will take place. Again in Köln at the Freihandelszone. This time with lectures from artist Agnes Pollner about "resonance" and myself about the field between individuality and cooperation. Georgia Hüls will again lead some systemic work for artists. We are looking forward for another strong day!