Donnerstag, 15. Juni 2017

Wirtschaftswissenschaft und Kapitalismus/ Economy and Capitalism

Wer schon immer etwas mehr über die großen Denker der Wirtschaftswissenschaften wissen wollte, dem kann ich das neue Buch von Ulrike Herrmann empfehlen. Hinter dem missverständlichen und nicht sehr gut gewähltem Titel "Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung" verbirgt sich eine sehr gut geschriebene, kurze und anregende Einführung in das Leben und Denken von Adam Smith, Karl Marx und John Maynard Keynes, den drei wohl wichtigsten ökonomischen Denkern des Kapitalismus. Und, das ist vielleicht besonders interessant: eine sehr fundierte Abrechnung mit Milton Friedman und dem neoklassischen bzw. neoliberalen Ansatz, der uns in die Misere, in der die Welt nicht nur wirtschaftlich seit 2008 hängt, eingebrockt hat. 
Das Buch ersetzt eine ganze Reihe von Proseminaren der Volkswirtschaft und dabei ist besonders erschütternd, dass diese Themen im normalen Wirtschaftsstudium offenbar überhaupt nicht vorkommen! 
Ich habe mit der Lektüre viel gelernt. Zugleich ist mir nochmal klar geworden, wie sehr unsere Überlegungen zum Geist des Kapitalismus viel grundlegender ansetzen. Die Frage Keynes oder Friedman ist zwar für die momentane Situation von kaum zu überschätzender Relevanz, aber die Verheerungen, die das kapitalistische Denken, das sich wie ein Virus in unsere Köpfe und Herzen gesetzt hat, anrichtet, sind damit noch gar nicht als Problem erkannt. 
Den Künstlern im Kapitalismus kann es nicht schaden, ein paar ökonomische Grundbegriffe zu kennen, aber die entscheidenden Fragen über den Einfluss des Kapitalismus (als Ethos) für meine Kunst, stellen sich woanders. 
Das Buch ist übrigens bei der Bundeszentrale für politische Bildung erschienen und für kleines Geld dort erhältlich: http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/248516/kein-kapitalismus-ist-auch-keine-loesung 


english:

This is a recommendation for a german book about some thinkers of economics that are worth to read again: Adam Smith, Karl Marx and J.M. Keynes.  
I learned a lot reading this book. At the same time, I have realized once again how much our thoughts on the spirit of capitalism are much more fundamental. The question of Keynes or Friedman is indeed of huge relevance to the current situation, but the devastations through capitalist thinking, which has set itself as a virus in our heads and hearts, are not yet recognized as a problem here.
artists in capitalism may benefit from knowing a few basic economic concepts, but the crucial questions about the influence of capitalism (as an ethos) for my art are elsewhere.